Psychologische Beratung

Ein Studium bringt viele neue Herausforderungen mit sich. So wendet man sich vielleicht mit höchster Intensität seinem Lieblingsgebiet zu oder musste möglicherweise Kompromisse bei der Studienfachwahl eingehen. Man trifft viele neue Leute und das alles in einer bislang unbekannten (Lern-)Umwelt. Hinzu kommt unter Umständen der Auszug aus dem Elternhaus, vielleicht der Umzug in eine neue Stadt und irgendwie wird das Gefühl stärker, auf eigenen Beinen stehen zu wollen oder zu müssen.

Diese Herausforderungen zu bewältigen kann Spaß machen. Allerdings kann es auch eine Überforderung darstellen, wenn viele Ansprüche bzw. Anforderungen zusammen auftreten. So kommt es manchmal zu Problemen im Studium. Diese äußern sich sehr häufig in Lernstörungen, Prüfungsangst oder mitunter in schweren psychischen Krisen. Aber auch psychische Probleme, die schon länger existieren, können das Studium beeinträchtigen. Wir, die Beraterinnen und Berater der ZSB, bieten Studierenden und Promovierenden Hilfestellungen bei der Bewältigung persönlicher Probleme oder Krisen. Diese Unterstützung kann in Form von Einzel-, Paar- oder Gruppengesprächen geschehen. Auch Lehrende, die belastete Studierende unterstützen möchten, können sich mit uns beraten.

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Counselling in English on demand. You are welcome.
Consulta en castellano a demanda. Aguardamos Su solicitud.
Un conseil psycho-social en langue française est offert sur demande. Vous êtes les bienvenus.
Ethische Richtlinien

Beratung in der ZSB ist in vielerlei Hinsicht Vertrauenssache: Die Beraterinnen und Berater sind fachlich qualifiziert und arbeiten professionell. Besonders wichtig ist, dass Sie sich der Beraterin oder dem Berater mit einem guten Gefühl anvertrauen können - schließlich werden Sie ihr oder ihm sehr persönliche Erfahrungen und Gedanken mitteilen. Und nach gesicherten Erkenntnissen ist die vertrauensvolle Beziehung zwischen Ihnen und Ihrer Beraterin oder Ihrem Berater von herausragender Bedeutung.

Die Schweigepflicht der Beraterinnen und Berater

  • Wir verpflichten uns zur Verschwiegenheit. Informationen und Daten werden nicht oder nur auf Ihren eigenen Wunsch an Dritte weitergegeben. Eine sehr seltene Ausnahme gibt es dabei: Wenn wir Dinge erfahren, die eine ernste Gefahr für Ihr Leib und Leben oder das einer anderen Person erwarten lassen, rufen wir Krisendienste zur Hilfe.
  • Notizen oder Aufzeichnungen jeglicher Art bewahren wir sicher auf.
Sie haben das Recht, sich über folgende Bereiche zu informieren
  • Qualifikation der Beraterin oder des Beraters,
  • Supervision und Fortbildung des Beraters oder der Beraterin,
  • Möglichkeiten alternativer oder ergänzender Angebote.
  • Wir klären Sie auf über die Rahmenbedingungen der Beratung (z.B. Regelmäßigkeit und Häufigkeit der Beratungstermine, ggf. Vertretungsregelungen)
  • Wir informieren Sie über die mögliche Dauer der Beratung bzw. besprechen dieses mit Ihnen.
Der Kontakt zwischen Beraterin oder Berater und Klientin oder Klient

Die ethischen Richtlinien unseres Handelns sehen vor, dass persönliche Beziehungen und Kontakte außerhalb der Beratung nicht gestattet sind. Damit soll sichergestellt werden, dass die besondere Beziehung in der Beratung unter keinen Umständen durch die Beraterin oder den Berater missbraucht wird.

Die Verantwortung für die Einhaltung der Ethischen Richtlinien tragen allein die Beraterin oder der Berater.

Allgemeine Informationen zum Thema "Sexuelle Übergriffe und sexualisierte Gewalt"

Sexuelle Übergriffe und sexualisierte Gewalt (Macht) gehören zur Lebensrealität insbesondere von Frauen, statistisch gesehen deutlich seltener zur Lebensrealität von Männern. Jedoch haben Erfahrungen dieser Art gleichermaßen für alle Betroffenen negative Folgen.
Auch in Therapie- und Beratungssituationen kann es zu sexueller Gewalt und sexuellen Übergriffen kommen. Aufgrund des besonderen Charakters der beraterischen/ therapeutischen Beziehung wirken sich sexuelle Übergriffe in Beratungs- und Therapiebeziehungen besonders verheerend aus. Denn:

Menschen suchen Hilfe in Therapie und Beratung, weil sie Defizite und Störungen im Schutz der helfenden Beziehung bearbeiten wollen. Dabei entsteht (im besten Fall) ein thematisierbares und im Verlauf der Beratung/ Therapie abbaubares Abhängigkeitsverhältnis. Nutzt der in dieser Beziehung Stärkere seinen Status zur Befriedigung eigener (sexueller) Bedürfnisse, dann missbraucht er die Abhängigkeit und Schutzbedürftigkeit der anderen Person und verhindert deren Wachstum und die Bewältigung krankmachender Belastungen. Dabei ist es unerheblich, ob die Klientin dem Berater/ Therapeuten in der Situation mehr oder weniger eindeutige Signale gibt. Professionelle Therapeuten müssen in der Lage sein, diesen Angeboten in respektvoller, Grenzen setzender Weise zu begegnen.
Wie können Frauen und Männer mit dem auch in therapeutischen Beziehungen bestehenden Risiko sexueller Gewalt umgehen?
Es kann keine Lösung sein, Beratung und Therapie zu meiden, auch da wo Hilfe erforderlich ist. Das Risiko zu verdrängen und zu hoffen, dass es schon gut gehen wird, ist möglicherweise gefährlich.

Wir raten zu vorsichtigem Einlassen auf Beratung und Therapie - ob bei einem Mann oder bei einer Frau. Wir raten zu Respekt vor eigenen Abwehrgefühlen und dazu, sich Unterstützung zu suchen, wenn die therapeutische Beziehung "mulmig" wird. Im Folgenden finden Sie einige "Ratschläge", die als Orientierung dienen können:

  • Verlassen Sie sich bei der Entscheidung für eine Beratung/Therapie auf Ihr Gespür. Erstgespräche, in denen Ihr Gegenüber als bedrohlich, auf Macht beharrend oder unzugänglich für Ihre Unsicherheit erscheint, sind kein guter Anfang für die Arbeit.
  • Grenzen zu überschreiten, gehört zur persönlichen Entwicklung. Es gibt jedoch Grenzen, die im Umgang miteinander unbedingt einzuhalten sind. Entscheiden Sie selbst, um was es gerade geht, und lassen Sie sich darin nicht beirren.
  • In jeder Beratung/Therapie gibt es Phasen, in denen Unsicherheit darüber entsteht, ob man wirklich gut aufgehoben ist, richtig verstanden wird und ob der andere nicht nur so tut als ob. Auch solche Irritationen müssen thematisiert werden können.
  • Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Therapie/Beratung Ihnen gut tut oder Sie eher schwächt, sprechen Sie mit Ihrem Therapeuten darüber. Wenn sich dadurch nichts ändert, sprechen Sie mit einer anderen Person darüber, die sich auskennt.
  • Bei sexuellen Handlungen in einer therapeutischen Situation handelt es sich immer um sexuelle Übergriffe - auch wenn sie für therapeutisch erklärt werden. Und: Sie bestimmen, was als sexuelle Handlung gilt. Verlangen Sie, dass Ihr Therapeut Ihre Definition respektiert.
  • Auch nach Beendigung der Therapie/Beratung bedeutet es eine Grenzüberschreitung, wenn Ihr Therapeut sexuellen Kontakt aufzunehmen versucht.
  • Wenn Sie in einer Beratung/Therapie sexuelle Gewalt erleben, brechen Sie die Arbeit ab und holen Sie sich Unterstützung: bei einer Person Ihres Vertrauens (privat oder professionell), beim "Notruf für Frauen", bei "Wildwasser", bei einer psychosozialen Beratungsstelle, bei ...

Anmeldung und Rahmenbedingungen
Die psychologische Beratung ist kostenlos und vertraulich, denn alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstelle unterliegen der Schweigepflicht. Wenn Sie möchten, können Sie in der Beratung anonym bleiben, müssen uns nicht Ihren Namen oder Ihr Studienfach mitteilen. Termine werden in der Regel persönlich in den offenen Sprechstunden vereinbart, welche täglich stattfinden und für die es keiner Voranmeldung bedarf.
Nehmen Sie bitte auf dem roten Sofa in der Warteecke Platz. Ein Berater oder eine Beraterin wird Sie so schnell wie möglich in den Beratungsraum bitten. Im Gespräch unter vier Augen können Sie direkt sagen, dass Sie eine psychologische Beratung wünschen, oder sich erst einmal allgemein nach der Beratung erkundigen.

Ablauf
Im Beratungsgespräch können Sie erzählen, was Ihnen Probleme bereitet oder Sorgen macht. Über welche Themen gesprochen wird und was Sie dem Berater oder der Beraterin mitteilen und was nicht, bestimmen Sie selbst.
Sollten wir Ihr Anliegen nicht sofort im Rahmen der Sprechstunde lösen können, so kann möglichst bald ein weiterer Beratungstermin vereinbart werden. Diese Termine dauern in der Regel 45-50 Minuten. Häufig reichen einige wenige Termine, um die aktuelle Problematik besser zu verstehen und bewältigen zu können sowie neue Handlungsspielräume zu entdecken.
Sie können die Beratung jederzeit abbrechen oder auch um einen anderen Berater bzw. eine andere Beraterin bitten. Ergibt es sich, dass wir nicht das passende Angebot für Sie haben, oder erscheint eine ambulante Psychotherapie sinnvoll, unterstützen wir Sie auch gerne bei der Suche nach einem geeigneten Therapieplatz oder vermitteln an andere Beratungs-, Therapieeinrichtungen und Selbsthilfegruppen.

Wer kann zu uns kommen und was bieten wir?
Grundsätzlich kann jede und jeder, die oder der mit Studium und Hochschule zu tun hat, zu uns kommen, ganz gleich mit welchem Thema oder Problem.
Typische Themen sind hier unter anderem:
  • Arbeitsschwierigkeiten und Prüfungsängste quer durch das Studium
  • Besondere Belastungen während der Promotionsphase
  • Konflikte bei Entscheidungsfindungen
  • Kontaktschwierigkeiten
  • Schwierigkeiten während der Endphase des Studiums
  • Überlastungsgefühl und/oder psychosomatische Beschwerden
  • Umbrüche im Lebensentwurf
  • Unzufriedenheit in der augenblicklichen Lebenssituation
  • Unsicherheit in Beziehungen
  • Zweifel bei der Studien- und Lebensplanung
Auch wenn wir nicht die richtigen Ansprechpartner für Sie sind, so kennen wir die Unterstützungsangebote in der Universität wie auch in der Stadt bzw. Region und können Sie zielgerichtet weiter leiten. So erhalten Sie gezielte Unterstützung, welche in akuten Krisen der ersten Entlastung dient und die Entwicklung schwerwiegender Folgen oder deren Verfestigung verhindert.

Beispiele aus der psychologischen Beratung

Das Beispiel der Studentin K.

K. kommt in die Beratung und stellt sich als Studentin im 5. Semester ihres Bachelorstudiums vor. Sie wisse gar nicht, ob sie in der Zentralen Studienberatung richtig sei. Eigentlich sollte sie zufrieden sein, zumal sie erst kürzlich eine wichtige Klausur bestanden habe. Sie könne sich aber nicht richtig darüber freuen und sei irgendwie gar nicht mehr glücklich, wisse aber auch nicht warum. Irgendwie stecke sie "in einer Kopfkrise". Seit einigen Wochen schlafe sie nicht mehr so gut und fühle sich dann morgens total schlecht. Auf wohlwollendes Nachfragen von Freunden reagiere Sie eher gereizt und mit Ablehnung. Sie verstehe das gar nicht und das ärgere sie auch. Eigentlich habe sie schon vor zwei Wochen zur ZSB gehen wollen. Aber in die offene Sprechzeit zu gehen, sei irgendwie komisch und so habe sie sich erst heute getraut.

Die Studentin erlebt die Atmosphäre unseres ersten Gesprächs als hilfreich und redet sich "erstmal alles von der Seele", wie sie später berichten wird. In den nächsten sechs Wochen führt die Studentin mit dem Berater vier weitere Gespräche, in deren Verlauf sich mehrere Gründe für die Entstehung ihrer "Kopfkrise" ausmachen lassen. Den für Studentin K. bedeutsamsten Grund bringt sie selbst schließlich mit folgendem Satz auf den Punkt: "Ich bin erst mit dem Besten zufrieden und weil ich mein Bestes immernoch ein bisschen besser machen kann, bin ich eigentlich nie mit mir zufrieden!"

Am Ende erlebt sich die Studentin in ihrer Gefühlswelt klarer und zuversichtlicher. Sie entscheidet sich dafür, im laufenden Semester zwei Veranstaltungen weniger zu machen und die gewonnene Zeit für etwas ?schön entspannendes? zu nutzen. Zudem verschiebt die Studentin ein geplantes Auslandssemester bis sie sich "wieder richtig stabil" erlebt.


Das Beispiel des Studenten M.

Student M. kommt in die Beratung mit der Aussage, dass er sich eine Paarberatung wünsche, da es in der Beziehung mit seiner Freundin immer wieder zu heftigem Streit komme. Er habe noch lebhafte Erinnerungen an die Ehekrise und spätere Trennung seiner Eltern. Er habe sich damals stundenlang in ein online Rollenspiel geflüchtet und stellte nun fest, dass er wieder so wie damals reagiere. Er habe große Sorge, dass er den Erfolg seines gerade begonnen Masterstudiums gefährde. Er habe keine Lust mehr, tagelang stumpf und leer mit seiner "digitalen Lösung" zu sein. Damals habe er eine Therapie bei einem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten gemacht, woraufhin es ihm in den letzten fast 7 Jahren gut gegangen sei.

Das erste Gespräch möchte der Student gezielt dazu nutzen, bereits bewährte, in der damaligen Therapie erarbeitete, "bessere Lösungen wieder zu reaktivieren". Er entscheidet sich in einem ersten Schritt wieder regelmäßig Sport zu machen und häufiger allein mit seinen beiden besten Freunden etwas zu unternehmen. Zum zweiten Gespräch zieht der Student mit einem breiten Grinsen einen WLAN-Router aus seiner Umhängetasche. Er wolle bis auf weiteres nicht mehr von Zuhause aus ins Internet gehen.

Nach zwei weiteren Einzelgesprächen finden mehrere Paargespräche statt. Im Mittelpunkt der Paargespräche steht die Analyse typischer Konfliktsituationen des Paares. Gemeinsam mit dem Berater werden mehrere Regeln für diese wiederkehrenden Konfliktmomente erarbeitet: So ergibt sich bereits spontan im ersten ersten Paargespräch die - von beiden auch akzeptierte - Regel: "Keine Interpretationen vornehmen!" Im Verlauf der nächsten Wochen beginnen Student M. und seine Freundin schließlich außerhalb der Beratungsgespräche gemeinsam neue Regeln für den Konfliktfall aufzustellen und berichten, dass ihre Konflikte nun häufiger konstruktiv verlaufen. Zum Ende der Beratungsreihe führt der Berater noch zwei weitere Einzelgespräche. Der Student berichtet in diesen Gesprächen sich wieder deutlich lebendiger und zuversichtlich zu fühlen. Zum Abschied wünscht der Student sich auch seinen WLAN-Router wieder zurück.


>Neben Einzelberatung bieten wir zu unterschiedlichen Themen
Gruppen und Workshops an.