Geschichte des ZiF

Der Gründervater des ZiF, der Soziologe Helmut Schelsky, konzipierte das erste deutsche Institute for Advanced Study nach dem Vorbild der Institute in Princeton und Stanford, mit dem Unterschied, dass das ZiF Forschungsgruppen fördert, die gemeinsam an interdisziplinären Themen arbeiten, nicht einzelne Personen. Dies ist bis heute die Besonderheit des ZiF.

Die ersten vier Jahre nach seiner Gründung 1968 residierte das ZiF im eigens dafür angemieteten Schloss Rheda, 30 Kilometer von Bielefeld entfernt. Dort begann das ZiF seine Arbeit mit kürzeren Tagungen, einem Arbeitsformat, das bis heute in den Arbeitsgemeinschaften weiter besteht. Als das ZiF 1972 seinen eigenen Campus zwischen Universität und Teutoburger Wald bezog, war von der Universität noch nicht mehr zu sehen als die Türme, in denen später die Aufzüge fahren würden. In den Wohnungen für die auswärtigen Wissenschaftler und ihre Familien war bis zur Fertigstellung des Universitätshauptgebäudes die Universitätsverwaltung untergebracht.

1974/1975 fanden die ersten Forschungsgruppen mit den Themen Recht und Sozialwissenschaften und Mathematische Probleme der Quantendynamik statt. Seither beherbergt das ZiF Forschungsgruppen zu ganz unterschiedlichen interdisziplinären Themen. Zu den besonders einflussreichen Forschungsgruppen des ZiF zählen Perception and Action unter der Leitung von Wolfgang Prinz, Herbert Heuer, Odmar Neumann und Andries Frans Sanders (1984/1985), Game Theory in the Behavioural Sciences unter der Leitung von Reinhard Selten (1987/1988), Prerational Intelligence unter der Leitung von Holk Cruse und Helge Ritter (1993/1994) und Embodied Communication in Humans and Machines (Wachsmuth und Knoblich 2005/2006). Die ZiF-Forschungsgruppen brachten im Laufe der Jahre über 3000 internationale Forscher ans ZiF, darunter die Nobelpreisträger Reinhard Selten, Elinor Ostrom, John C. Harsanyi und Roger Myerson.

Der Soziologe Norbert Elias lebte und arbeitete von 1978 bis 1984 am ZiF.

Seit 1971 finden am ZiF als besondere Form der Arbeitsgemeinschaften Autorenkolloquien statt, die dem Werk eines Autors gewidmet sind. Sie führten unter anderen Roman Jacobson (1975), Ernst Mayr (1986), Donald Davidson (1991), Ronald Dworkin und Jürgen Habermas (1994) und Lars Gustafsson (2006) ins ZiF. Seit 1976 beherbergt das ZiF, ermöglicht durch die Unterstützung der Westfälisch-Lippischen-Universitätsgesellschaft, wechselnde Kunstausstellungen.

Schon Helmut Schelsky war davon überzeugt, dass die Integration von Disziplinen nur unter Einbeziehung des wissenschaftlichen Nachwuchses gelingen kann. Promovierte Nachwuchswissenschaftler aller Fakultäten können sich am ZiF um die Ausrichtung von Arbeitsgemeinschaften und Forschungsgruppen bewerben, seit 2002 besteht zudem das Junge ZiF, dessen Fellows sich regelmäßig über interdisziplinäre Forschungsvorhaben austauschen.

Auf der 40-Jahr-Feier des ZiF im Jahre 2008 hielt Harald Weinrich, ZiF-Direktor von 1972 bis 1974, die Rede, die er für die Eröffnung des ZiF in den neuen Räumlichkeiten am 12. Januar 1973 vorbereitet hatte, wegen der Proteste aufgebrachter Studenten gegen die 'Elitenförderung' aber nicht halten konnte. Sie bringt bis heute das Selbstverständnis des ZiF auf den Punkt: als Anreger, Gastgeber und Beförderer von Interdisziplinarität.