Kunst am ZiF

Geboren und gestorben wird immer noch analog ...


Vernissage: 3. Mai 2018, 18:30
Ausstellung: 3. Mai - 31. August 2018
Künstlerin: Suscha Korte (Köln, GER)
Grußwort: Prof. Dr. Véronique Zanetti (ZiF)
Einführung: Dr. Britta Hochkirchen (Bielefeld, GER)
Mit der Ausstellung stellt sich Suscha Korte bewusst gegen den vermeintlichen Anachronismus der Malerei. Und zeigt, dass das Genre relevanter ist denn je...

Welchen Stellenwert hat die klassische Malerei im Zeitalter des Digitalen? Inwieweit kann sie sich gegen das Highspeedinternet und die damit verbundene inflationäre, mitunter manipulative Bilderflut der neuen Medien behaupten?

Diesen und anderen Fragen geht die Künstlerin auf den Grund. Dabei zeigt sie mit ganz unterschiedlichen Techniken die Diversität von Malerei auf – und bekennt sich zum Analogen als wert- und zeitkontinuierliche Referenz zum Menschsein und zum schöpferischen Prozess.

Umbrüche, Zäsuren und Revolutionen gab es schon immer; doch kaum eine Erfindung hat die Taktung der Welt dermaßen beschleunigt, agitiert und hysterisiert wie die Digitalisierung. Tatsächlich sind unsere Gehirne, unsere Denkstrukturen und unsere nativen Bedürfnisse aber noch immer auf dem Stand von Steinzeitmenschen. Und somit evolutionär und genetisch determiniert. In den stark narrativen, komplexen Bildwelten von Suscha Korte geht es um diese ungebrochen gültige Form menschlicher Entität, wo Begegnungen, Erfahrungen und Erinnerungen sowie Ängste, Hoffnungen und Träume unsere Bedürfnisse definieren. Wo sich ein tiefer Dialog zwischen Werk und Betrachter entspinnt, der Raum für Besinnung und Reflexion lässt. Nicht die Sensation, der Affekt, das Konsumieren des Bildes als Bedarfserweckungsinstanz.

Die Ausstellung ist eine Hommage an das analoge, das echte Leben, das die physische Präsenz, die direkte Konfrontation und den unmittelbaren Dialog bedingt. Gleichzeitig ist der Ausstellungstitel als Appell an Courage, Mut, Zuversicht und die aktive Auseinandersetzung mit Phänomenen und Problemen unsere Zeit zu verstehen. Die Malerei dient hier als Medium für innere Einkehr und äußeren Aufbruch. Und liefert damit ein nachhaltiges Argument gegen Passivität, Fremdbestimmung und dystopische Resignation, ein "Trotzdem..."

Suscha Kortes Porträts erzählen vom Menschsein und von den Lebensspuren, die ein jeder hinterlässt. Dabei zeigen die großformatigen Werke, oft als Diptychen oder Triptychen angelegt, jedoch kein Abbild des Humanen, sondern thematisieren Entität mittels Alltagsgegenständen wie Tellern Schallplatten oder wie zufällig arrangiertem Hausrat. Die Motive fungieren somit als assoziative Spielwiese für die individuelle Geschichte und das Schicksal des Menschen dahinter, als Projektionsflächen für seine Wünsche, Träume und Hoffnungen, Ängste und Sorgen. Damit entwickeln sie eine narrative Sogkraft, die den Betrachter auffordert, seine eigene Geschichte zu reflektieren und damit sowohl einen inneren Monolog als auch den Dialog mit Werk und Mitrezipienten zu entfachen. Ihren lebensechten, höchst detaillierten Motivporträts stellt sie ironisch bis sardonisch intendierte Neon-Typografien zur Seite, die Begriffe wie "Glück" und "Home" plakatieren und einmal mehr die Dialektik und Widersprüchlichkeit des Lebens aufzeigen. Trotz des damit aufgeworfenen Nebeneinanders von Pol und Antipol, Utopie und Dystopie, Struktur und Chaos zeichnet sich Suscha Kortes Œuvre durch eine tiefe Zuversicht, Urvertrauen und subtilen Humor aus – und fokussiert damit ganz im Sinne des philosophischen Magnetismus die Kraft der Affirmation.

Suscha Korte studierte freie Kunst und Malerei an der Muthesius-Hochschule in Kiel und an der Glasgow School of Art in Schottland/GB. Ihre Werke waren u.a. im Museumsberg Flensburg und in internationalen Galerien ausgestellt und sind in zahlreichen europäischen Privatsammlungen vertreten. Sie lebt und arbeitet in Köln.

Yorka Schmidt-Junker


"EBV (Trotzdem)", 2014



"Flagge zeigen", 2015
"Glück", 2015
"Home", 2015


"Vanilla Ride", 2016

Die Ausstellung ist regelmäßig während der Kernarbeitszeiten des ZiF (montags bis donnerstags von 9:00 bis 15:30 und freitags von 9:00 bis 14:00) zugänglich. Während laufender Tagungen ist das ZiF auch über diese Zeiten hinaus geöffnet. Informationen dazu erhalten Sie im Tagungsbüro.

Tel: +49 521 106-2768/2769