Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
 

Sie sind hier :   Universität Bielefeld > LiLi-Fakultät > Personen > D. Milne–Plückebaum

Kursbeschreibung

In der Mögliche-Welten-Semantik spielen verschiedene Realitäten (sogenannte ''mögliche Welten''), also auch Alternativen zu unserer tatsächlichen Realität, eine zentrale Rolle. Der Satz "Es ist möglich, dass Wasser seltener ist als Gold" ist in unserer Realität z.B. genau dann wahr, wenn es eine (alternative) Realität gibt, in der Wasser seltener ist als Gold; und der Satz "Es ist notwendig, dass Wasser nass ist" ist in unserer Realität genau dann wahr, wenn in allen Realitäten Wasser nass ist. Um diesen Sätzen in ''unserer Realität'' überhaupt Wahrheitswerte zuordnen zu können, müssen wir also das, was sie ohne die Operatoren "Es ist möglich, dass" bzw. "Es ist notwendig, dass" semantisch bereitstellen, abgleichen mit den Fakten, die in den verschiedenen Realitäten bestehen. Allgemein gilt: Ist O ein Operator, der verlangt, dass wir die tatsächliche Realität semantisch verlassen, dann können wir einem Satz O(S), wobei S ebenfalls ein Satz ist, einen Wahrheitswert zuordnen, indem wir die von S tatsächlich bereitgestellte ''semantische Schablone'' an verschiedene Realitäten anlegen und schauen, ob sie (z.B. irgendwo oder überall) passt. So funktioniert die ''eindimensionale'' Mögliche-Welten-Semantik. Wir werden die grundsätzliche Funktionsweise sowie einige konkrete Anwendungsbereiche dieser Semantik im Seminar kennenlernen.

Für die eindimensionale Mögliche-Welten-Semantik sind für den Abgleich der semantischen Schablonen mit den verschiedenen Realitäten im Allgemeinen die in diesen Realitäten bestehenden ''nicht-sprachlichen'' Fakten relevant. Die semantischen Schablonen selbst werden aber von unserer tatsächlichen Realität bereitgestellt und sind von sprachlichen Fakten abhängig. Beispielsweise ist "Es ist notwendig, dass Wasser H2O ist" deswegen in unserer Realität wahr, weil "Wasser" sich genau wie "H2O" tatsächlich direkt auf ''H2O'' bezieht, wodurch die semantische Schablone, die "Wasser ist H2O" tatsächlich bereitstellt, so aussieht: <Identität, ''H2O'', ''H2O''>; und diese passt offensichtlich auf jede Realität. Was aber passiert, wenn man das Bereitstellen der semantischen Schablonen selbst in andere Realitäten verlagert? Was ist z.B. die semantische Schablone, die der Satz "Wasser ist H2O" in einer Realität bereitstellt, in der nicht ''H2O'', sondern ''XYZ'' der Stoff ist, der aus Wasserhähnen kommt, trinkbar, farb- und geruchslos ist, sich in Meeren, Seen und Flüssen befindet usw.? In diesen Realitäten, so könnte man annehmen, bezieht sich "Wasser" tatsächlich auf ''XYZ'', wodurch die semantische Schablone, die "Wasser ist H2O" bereitstellt, so aussieht: <Identität, ''XYZ'', ''H2O''>; und diese passt auf keine Realität. Wichtig ist, dass in der so beschriebenen Realität offenbar sprachlich etwas anderes im Gange ist als in der tatsächlichen. "Wasser" bezieht sich dort nicht auf ''H2O'' (wie bei uns), sondern auf ''XYZ''. Das Verschieben von Realitäten in ihrer Rolle als Umgebung für die Fundierung bestimmter sprachlicher Fakten kann als Charakteristikum einer ''zweidimensionalen'' Mögliche-Welten-Semantik betrachtet werden.

Im Seminar werden wir uns anschauen, was es mit dieser Zweidimensionalität auf sich hat. Insbesondere werden wir untersuchen, ob die der eindimensionalen Mögliche-Welten-Semantik hingezugefügte zweite Dimension wirklich eine ''semantische'' Dimension ist (oder z.B. eine ''metasemantische''). Wir werden dem Ganzen auf die Spur kommen, indem wir uns sprachliche Phänomene anschauen, die sich mithilfe eines zweidimensionalen Apparats systematisieren und analysieren lassen.

 

Kursablauf

Einführung

In der Einführungssitzung haben wir etwas über Wahrheitsbedingungen erfahren und uns dabei kennengelernt. Es ging darum, was Eigennamen, Kennzeichnungen und sogenannte deskriptive Eigennamen zu den Wahrheitsbedingungen von Sätzen beitragen, in denen diese Ausdrücke vorkommen. Insbesondere haben wir uns angeschaut, wie die Beiträge solcher Ausdrücke aussehen, falls sie im Skopus eines Modaloperators stehen.

Wir wollen uns im Seminar unter anderem einen Weg durch den Dschungel der semantischen Terminologie bahnen. Dazu habe ich eine unsortierte Liste mit Begriffen ausgeteilt, die euch bei der Beschäftigung mit Semantik begegnen können. Wir wollen im Laufe des Semesters versuchen, die Liste zu sortieren, indem wir Bezüge zwischen einzelnen Begriffen herstellen.

Zum Schluss ging es um die Anforderungen ans Erbringen der Studienleistung und es gab einen Zettel mit Empfehlungen früherer Teilnehmer*innen meiner Seminare.

Nächste Woche beschäftigen wir uns mit Kripkes Naming and Necessity. Darin gibt es Abschnitte, die die 2d-Semantik inspiriert haben.

 

Kripke: Naming and Necessity

Murday: Two-Dimensionalism and Semantic Content