Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
 
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Wichtige Infos:

Das Seminar findet am 23.5. und am 20.6. nicht statt. Die Termine werden nachgeholt.

 

Seminarbeschreibung

Im Zentrum des Seminars steht der Aufsatz "Fictional Names in Psychologistic Semantics" von Emar Maier, der 2017 in Theoretical Linguistics erschienen ist und eine Reihe von Erwiderungen nach sich gezogen hat. In diesem Aufsatz nimmt sich Maier das sogenannte semantische Paradoxon fiktionaler Namen vor: Wir sind in unserem Sprechen und Denken konsistent, wenn wir sowohl 

  • Harry Potter trägt eine Brille.

als auch

  • Harry Potter existiert nicht.

ernsthaft äußern und akzeptieren, obwohl sich "Harry Potter" im ersten Satz auf ein Individuum zu beziehen scheint, der zweite Satz aber entweder diesem vermeintlichen Bezugsobjekt die Existenz abspricht oder gar ausdrückt, dass "Harry Potter" kein Bezugsobjekt hat. Die Frage ist nun, wie das möglich ist. Genauer: Wie interpretieren wir die obigen Sätze, und welche Einstellung nehmen wir zu ihren Gehalten ein, sodass wir uns nicht in Widersprüche im Sprechen und Denken verstricken? Maier gibt auf diese Frage eine pragmatisch anti-realistische Antwort: Er nimmt erstens an, dass wir nur mit dem zweiten Satz ernsthaft etwas behaupten, während wir mit dem ersten Satz vorschreiben, etwas zu imaginieren, und versucht zweitens zu zeigen, dass eine angemessene Verarbeitung dieser Sprechakte durchaus einen konsistenten mentalen Zustand nach sich zieht. 

Maiers Text ist recht voraussetzungsreich. Zu Beginn des Seminars werden wir den Text einmal vollständig lesen und gemeinsam entscheiden, welche Hintergründe zusammen erarbeitet werden sollen, wobei es auf den Kenntnisstand sowie das Interesse der Teilnehmenden ankommt (z.B. Waltons Theorie des So-Tun-Als-Ob, DRT, psychologistische Semantik, wahrheitskonditionale Semantik, mental files, philosophisch-semantische Ansätze zur Behandlung fiktionaler Namen ...). Anschließend werden wir Maiers Text einer intensiveren Lektüre unterziehen. Im dritten Teil des Seminars werden wir uns schließlich einige der Erwiderungen auf Maiers Text anschauen.

Literaturangaben

Maier, E. (2017). "Fictional Names in Psychologistic Semantics". Theoretical Linguistics 43, 1-45.

Aloni, M. (2017). "On the Model-Theoretic Interpretation of a Mental State". Theoretical Linguistics 43, 47-51.
Geurts, B. (2017). "Fictional Commitments". Theoretical Linguistics 43, 53-60.
Ninan, D. (2017). "Names in Fiction". Theoretical Linguistics 43, 61-70.
Rami, D. & T. E. Zimmermann (2017). "Imagination, Psychologistic Semantics, and the Paradox of Fictional Names". Theoretical Linguistics 43, 71-80.
Recanati, F. (2017). "Fictitious Anchors". Theoretical Linguistics 43, 81-93.
Zucchi, S. (2017). "Games of Make-Believe and Factual Information". Theoretical Linguistics 43, 95-101.
Maier, E. (2017). "More on Fictional Names and Psychologistic Semantics: Replies to Comments". Theoretical Linguistics 43, 103-120.

 

Seminarablauf

Einführung

In der Einführungssitzung haben wir uns ein paar sehr kurze Geschichten angeschaut (aus dem Buch: Paul, C. (Hrsg.'in) (2016). Überraschung! Die besten Sekundenstorys. Insel Verlag) und überprüft, welche Eigennamen in ihnen vorkommen und wie diese eingeführt werden. Wir haben zwei verschiedene Arten von Eigennamen entdeckt (fiktionale vs. nicht-fiktionale) und zwei Weisen, Eigennamen einzuführen (einfach so vs. explizite Benennung eines zuvor in allgemeiner Weise beschriebenen Subjekts). [Kleine Hausaufgabe: Daraus ergeben sich vier Kombinationsmöglichkeiten. Schreibe eine Sekundenstory für jede dieser Möglichkeiten!] Eine Formulierung, die gefallen ist, sollten wir uns merken: "Einen Eigennamen zu verwenden, setzt voraus, dass man versteht, wer das [der*die Benannte] ist."

Außerdem haben wir uns den Seminarplan angeschaut und sind meine Lehrziele sowie meine und eure Lernziele durchgegangen.

Eure Lenziele haben wir an der Tafel gesammelt (die wichtigsten Lernziele habe ich farbig markiert; gleiche Farbe bedeutet Zusammengehörigkeit):

Ich bitte euch, euer ganz persönliches, wichtigstes Lernziel auszuformulieren und darauf zu achten, ob ihr euch diesem im Verlauf des Semesters nähert oder, falls nicht, wie ihr selbst, wir gemeinsam oder ich dem entgegensteuern könnten.

Schließlich haben wir noch die Anforderungen fürs Erbringen der Studienleistung besprochen.

Nächste Woche besprechen wir, welche Voraussetzungen und Hintergründe des Maier-Textes wir uns in den darauffolgenden Wochen intensiv anschauen. Dazu ist der Maier-Text, den ihr im Lernraum findet, einmal vollständig zu lesen.