Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
 
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Wichtige Infos:

Das Seminar findet am 25.5. und am 15.6. nicht statt. Die Termine werden nachgeholt. Mehr dazu in Kürze hier.

 

Seminarbeschreibung

Wir sprechen von virtueller Realität. Aber ist das, was wir beim Tragen einer VR-Brille erleben, wirklich real? Oder ist es nur imaginär und illusorisch? Das sind spannende metaphysische Fragen -- um die es uns im Seminar jedoch nicht in erster Linie gehen wird. Stattdessen werden uns folgende Fragen beschäftigen: Falls es sich bei einer virtuellen Realität tatsächlich um eine Form der Realität handelt, was bedeutet das für unser Sprechen und Denken innerhalb einer solchen? Andererseits, falls virtuelle Realitäten nicht real sind, ändert das auch unseren sprachlichen und gedanklichen Zugang zu ihnen? 

Nehmen wir z.B. Eigennamen. Wir wollen annehmen, dass sich Eigennamen in der (nicht-virtuellen) Realität einfach so auf Individuen beziehen. Dann können wir fragen: Beziehen sich Eigennamen auch in einer virtuellen Realität einfach so auf (virtuelle) Individuen? Oder funktioniert der Mechanismus der Bezugnahme durch Eigennamen innerhalb einer virtuellen Realität grundsätzlich anders als in der nicht-virtuellen Realität? Und macht für diesen Mechanismus überhaupt einen Unterschied, ob eine virtuelle Realität real ist oder nicht? 

Solchen und weiteren Fragen werden wir uns nähern, indem wir (hauptsächlich englischsprachige) Texte intensiv lesen und diskutieren. Da es sich primär um Texte zu allgemeineren Fragen aus den Bereichen (philosophische) Semantik, Metaphysik und Linguistik handelt, werden wir aber auch viel Nachdenken müssen, um die darin gegebenen Antworten auf unsere Fragen anwenden zu können. Wir werden also gemeinsam eine forschende Einstellung einnehmen. Das bedeutet allerdings, wie für jede Forschung, dass unsere Anstrengungen hier und da durchaus ins Leere laufen können. Das Seminar setzt also nicht nur Durchhaltevermögen, sondern auch eine gewisse Frustrationstoleranz voraus.

 

Seminarablauf

Einführung

In der Einführungssitzung haben wir folgendes Szenario besprochen und versucht, einem sprachphilosophischen Problem auf die Spur zu kommen:

Wir haben über eure Intuitionen in Bezug auf dieses Szenario/Problem gesprochen und sind dabei schon auf einige interessante Anhaltspunkte für unser weiteres Vorgehen gestoßen. Insbesondere habt ihr die Frage gestellt, ob es überhaupt sinnvoll ist, die Realität scharf vom Als-Ob zu trennen, und die Virtualität dann entweder als Teil des Als-Ob oder als eine Verbindung zwischen Realität und Als-Ob herstellend zu denken. Ist Virtualität nicht vielleicht doch eher Teil der Realität und demnach nicht untrennbar mit dem Als-Ob verbunden? Und falls das so ist, welche Auswirkungen hat das dann auf unseren sprachlichen Zugang zur Virtualität? Wenn wir z.B. den Satz "Da ist ein Pummeluff" betrachten, könnte man sagen, dass dieser mehrdeutig ist oder verschiedene Inhalte relativ zu verschiedenen Kontexten (Realität/Als-Ob/Virtualität) ausdrückt. Falls das so ist, was drückt er relativ zur Realität aus? (Euer Vorschlag: Dasselbe wie "Da sind Bildpunkte, die ein Pummeluff darstellen sollen.") Relativ zum Als-Ob? (Euer Vorschlag: Dasselbe wie "Da ist ein Exemplar der Tierart Pummeluff.") Relativ zur Virtualität? (Euer Vorschlag: Dasselbe wie "Da ist ein virtuelles Pummeluff.") Doch mit Blick auf die von euch gestellte Frage könnte man weiter fragen: Sind all diese Kontexte überhaupt (gleichermaßen) relevant? Welcher Kontext ist grundlegend? Wie hängen die verschiedenen Kontext-abhängigen Inhalte zusammen? Das sind Fragen, die uns in diesem Seminar beschäftigen werden.

Außerdem haben wir über meine Lehrziele für dieses Seminar gesprochen. Diese lauten:

  • Ich möchte euch in Bezug auf den Zusammenhang von Sprache und Realität (und Nicht-Realität) zum Nachdenken bringen und euch ein sprachphilosophisches Problemverständnis vermitteln.
  • Ich möchte euch eine forschende Haltung einnehmen lassen, sodass ihr problemorientiert und mit der Hilfe von Texten eigene Fragen, Ideen und Lösungsansätze entwickeln könnt.
  • Ich möchte euch dabei helfen, ins Schreiben zu kommen und das Feedback eurer Kommiliton*innen zu nutzen.

Mein drittes Lehrziel geht Hand in Hand mit den Anforderungen ans Erbringen der Studienleistung.

Neben meinen Lerhzielen gibt es auch meine und eure Lernziele, die wir uns im Verlauf des Semesters immer in Erinnerung rufen sollten. Ich selbst möchte gerne systematisch und verständlich erklären, woran ich arbeite, und dabei eure Fragen und Ideen für die Weiterentwicklung meiner Thesen nutzen. Eure Lenziele haben wir an der Tafel gesammelt:

Ich bitte euch, euer ganz persönliches, wichtigstes Lernziel auszuformulieren und darauf zu achten, ob ihr euch diesem im Verlauf des Semesters nähert oder, falls nicht, wie ihr selbst, wir gemeinsam oder ich dem entgegensteuern könnten.

Nächste Woche besprechen wir den Text "The Virtual and the Real" von David Chalmers. Der Text enthält viel, was für uns nicht unmittelbar relevant ist. Wir können uns aber fokussierter unserem Forschungsgegenstand widmen, wenn wir wissen, was nicht dazu gehört. Andererseits enthält der Text Stellen, die sehr relevant für uns sind. Versucht doch bitte, diese zu finden.

Nach dem Chalmers-Text werden wir wohl etwas von Saul Kripke lesen (aus Naming and Necessity und Reference and Existence).