ZiF-Forschungsgruppe

Genetische und soziale Ursachen von Lebenschancen

2015/2016

Leitung: Martin Diewald (Bielefeld, GER), Rainer Riemann (Bielefeld, GER)
ZiF-Forschungsgruppentagung
Poster

Eröffnungstagung: Interdisziplinäre Perspektiven auf genetische und soziale Ursachen von Lebenschancen


Termin: 19. - 22. Oktober 2015
Leitung: Martin Diewald (Bielefeld, GER), Rainer Riemann (Bielefeld, GER)

Die Humangenetik ist einst mit der großen Versprechung gestartet, dass mit der Entschlüsselung des Genoms die Entwicklungsbedingungen des Lebens quasi vor uns ausgebreitet würden. Trotz erheblicher Fortschritte ist jedoch in den letzten Jahren deutlich geworden, dass das Zusammenspiel zwischen genetischen Anlagen und vielfältigen Umwelteinflüssen im historischen Verlauf, in der Abfolge familialer Generationen und im individuellen Lebenslauf viel komplexer und vielschichtiger ist, als es bisher erschien, und deshalb die Zusammenarbeit verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen notwendig ist. Gleichzeitig wird die Diskussion genetischer Ursachen von menschlicher Verschiedenartigkeit und Ungleichheit zunehmend wieder gesellschaftsfähig. Allerdings gerät dabei der Verweis auf genetische Ursachen, aus Unkenntnis oder Absicht, schnell zu einem Beleg für die Unveränderbarkeit von Unterschieden und zur Rechtfertigung von Ungleichheiten. Dabei fehlen in der moralischen und gesellschaftspolitischen Diskussion noch Interpretationsschemata für die Bewertung von genetischen Ursachen sozialer Ungleichheit vor allem dann, wenn berücksichtigt wird, dass die Bedeutung genetischer Unterschiede für Lebenschancen nicht deterministisch, sondern durchaus auch gesellschaftlich geprägt ist und gesellschaftspolitisch gestaltet werden kann. Hierdurch erlangen die herrschenden Defizite und Missverständnisse bezüglich des Zusammenspiels genetischer und sozialer Ursachen von Ungleichheit eine zusätzliche wissenschaftliche und öffentliche Brisanz. Es ist das Ziel der Forschungsgruppe neue Wege zu finden, wie das Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Einflüsse auf Lebenschancen adäquater verstanden und weiter untersucht werden kann. Die Eröffnungskonferenz bringt das internationale, multidisziplinäre Team weltweit führender Expertinnen und Experten zusammen, um aktuelle Forschung und Perspektiven zum Thema "Genetische und soziale Ursachen von Lebenschancen" zu diskutieren. In thematischen Sessions wird es, jeweils bezogen auf Fragen sozialer Ungleichheit, um die folgenden Themen gehen:

  • Mediierende soziale Mechanismen, individuelle Charakteristika und Einflüsse via genetischer Variation
  • Molekulargenetische Grundlagen und Transkriptionsprozesse
  • Theoretische Ansätze zum Zusammenspiel von Genen und Umwelt: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
  • Die Rolle von Timing: Welche Theorien helfen uns, das Zusammenspiel von Genen und Umwelt über Zeit zu verstehen?
  • Gegenwärtige Gesellschaften: Welche institutionellen, kulturellen und strukturellen Makrobedingungen in Gesellschaften bestimmen wie das Zusammenspiel von Genom und Umwelt Ausbildungs- und Berufserfolg, Einkommen und Wohlstand beeinflusst?
  • Die historische Perspektive: Wie können Muster sozialer Ungleichheit und sozialer Mobilität in menschlichen Gesellschaften das Genom beeinflussen, und wie hat sich die Rolle des Genoms für die ungleiche Verteilung von Lebenschancen über die Menschheitsgeschichte verändert?

Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Tina Baier (Berlin, GER), Meike Bartels (Amsterdam, NED), Rüdiger Bittner (Bielefeld, GER), Wiebke Bleidorn (Davis, USA), Chuansheng Chen (Irvine, USA), Dalton C. Conley (New York, USA), Christopher T. Dawes (New York, USA), Thomas A. DiPrete (New York, USA), Juliana Gottschling (Saarbrücken, GER), Guang Guo (Chapel Hill, USA), Elisabeth Hahn (Saarbrücken, GER), Henry C. Harpending (Salt Lake City, USA), John Hawks (Wisconsin, USA), Jutta Heckhausen (Irvine, USA), Johannes Huinink (Bremen, GER), Wendy Johnson (Edinburgh, GBR), Markus Jokela (Helsinki, FIN), Christian Kandler (Bielefeld, GER), Philipp Koellinger (Amsterdam, NED), Anna Kornadt (Bielefeld, GER), Kristina Krell (Berlin, GER), Robert Krueger (Minneapolis, USA), Volker Lang (Berlin, GER), Paul Lichtenstein (Stockholm, SWE), Carol A. Manning (Charlottesville, USA), Melinda Mills (Oxford, GBR), Jenaer Neiderhiser (University Park, USA), Nancy Pedersen (Stockholm, SWE), Lars Penke (Göttingen, GER), Anna-Lena Peters (Bielefeld, GER), Michael Pluess (London, GER), Wolfgang Prinz (Leipzig, GER), Jonas Rees (Bielefeld, GER), Wiebke Schulz (Berlin, GER), Reinhard Schunck (Bielefeld, GER), Rebecca Sear (London, GBR), Paul Shiels (Glasgow, GBR), Noah Snyder-Mackler (Durham, USA), Frank Spinath (Saarbrücken, GER), Moshe Szyf (Montreal, CAN), Fritz Trillmich (Bielefeld, GER), Eric Turkheimer (Charlottesville, USA), Roland Weierstall (Reichenau, GER), Joachim Wündisch (Düsseldorf, GER), Alexandra Zapko (Bielefeld, GER)
Tagungsprogramm
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Organisatorische Fragen beantwortet Trixi Valentin im Tagungsbüro (Tel.: +49 521 106-2769).

Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte an den Assistenten der Forschungsgruppe Jonas Rees (Tel.: +49 521 106-12835).