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Organisationale Ungleichheiten und Wechselwirkungen zwischen Verwirklichungschancen im Berufs- und Privatleben

DFG gefördertes Projekt in Kooperation mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die Datenerhebung erfolgt durch das SOKO Institut Bielefeld. Geleitet wird das Projekt, das bis voraussichtlich Dezember 2020 läuft, von Anja Abendroth, Silvia Maja Melzer und Martin Diewald.

Ziel des Projektes ist es berufliche wie private Herausforderungen aber auch Chancen, von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen in der heutigen Zeit abzubilden und einen Beitrag zur Mechanismus-gestützten Erklärung sozialer Ungleichheit zu leisten. Dabei bildet die Relational Inequality Theorie den Bezugsrahmen: eine soziologische Theorie, die in der theoretischen und empirischen Organisationsforschung verstärkt an Bedeutung gewonnen hat und erklärt wie Betriebe und ihre Merkmale soziale Ungleichheiten reduzieren oder verstärken können.

Wir erweitern den aktuellen Forschungsstand um empirische Analysen mit Fokus auf drei Themenbereiche: Einkommensungleichheiten, Interdependenzen von Beruf und Privatem, sowie Beschäftigungsverhältnisse. Wir untersuchen welche Faktoren an der Schnittstelle von interaktionalen und organisationalen Mechanismen Einkommensungleichheiten in Organisationen zwischen verschiedenen Gruppen reduzieren oder stärken. Unsere Analysen zu Interdependenzen von Beruf und Privatem untersuchen organisationale Mechanismen der Ungleichheitsgenese für belastungs- und zeitabhängige Konflikte zwischen den Lebensbereichen sowie für die Relevanz von privaten Belastungen für Arbeitsgratifikationen. Zudem greifen sie die Diskussion zu den vielfältigen Implikationen organisationaler Regelungen zur Vereinbarkeit der Lebensbereiche für unterschiedliche Beschäftige auf. Schließlich untersuchen wir unterschiedliche Facetten von Beschäftigungsverhältnissen zwischen Arbeitnehmern und Betrieben auf der Ebene von abstrakten Arbeitgebern sowie direkten Vorgesetzen oder Teammitgliedern. Besser noch als berufsbasierte Studien kann Forschung auf der Grundlage von direkten Beziehungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber Verhandlungen im Betrieb und die Beziehung zwischen monetären und nicht-monetären Gratifikationen und Leistungen berücksichtigen.

Den Analysen liegen Daten eines erweiterten Linked-Employer-Employee-Datensatzes mit bisher zwei Wellen zugrunde. Aktuell wird der Datensatz um eine dritte Welle ergänzt. Die Stichprobe umfasst im ersten Befragungsjahr 100 Arbeitsorganisationen mit 6454 Arbeitnehmern und deren 2185 Partnern, welche mittels eines Kurzinstrumentes befragt wurden. In der zweiten Welle beinhaltet die Stichprobe 6338 Arbeitnehmer aus 107 Arbeitsorganisationen (72 Ausgangssample und 35 Refreshment Sample). Durch die Kombination von IAB-Betriebs- und Beschäftigtendaten mit Eigenerhebungen erreichen wir bei hohen Fallzahlen eine ungewöhnliche Dichte von Informationen. Durch das verwendete Längsschnittdesign wird es möglich, kausale Wirkungen besser zu unterscheiden und sowohl Prozesse der Selbst- als auch der Fremdselektion adäquat zu untersuchen. Dies ist von zentraler Bedeutung, da substanzielle soziale Mechanismen nur dann angemessen empirisch rekonstruiert werden können, wenn Folgen, Ursachen, Moderatoren und die kausalen Zusammenhänge der Einflussfaktoren identifiziert werden. Außerdem steigt mit der längeren Beobachtungsdauer die Anzahl familien- und karriererelevanter Ereignisse und ermöglicht eine systematische Analyse der Interdependenzen zwischen verschiedenen Lebensbereichen. Die Daten werden anderen Wissenschaftlern nach Projektende zur Verfügung gestellt. Der Datensatz ist in Deutschland und im internationalen Vergleich einzigartig und wird über die Analysen des Projekts hinaus mit Sicherheit eine wertvolle Ressource für die Forschung zur organisationaler Ungleichheit darstellen. Grundlegend hierfür sind die Abdeckung der beruflichen Strukturen mit hohen Fallzahlen sowie detaillierte Informationen zu Verhaltensweisen und Prozessen innerhalb der Firmen.

Die Daten wurden bereits bei verschiedenen internationalen Konferenzen vorgestellt, wie zum Beispiel bei der Konferenz der American Sociological Association der Southern Sociological Association wie auch bei einem Workshop in Bielefeld mit interessierten Forschern. In der Folge, haben die Daten bereits international Bekanntheit erlangt.

Das Vorgängerprojekt mit dem Titel "Wechselwirkungen zwischen Verwirklichungschancen im Berufs- und Privatleben: Eine Untersuchung von Beschäftigten in unterschiedlichen Arbeitsorganisationen" lief von 2011 - 2015 an der Uni Bielefeld (ehemals SFB 882, Teilprojekt B3). Informationen zu diesem Projekt finden Sie hier.