Gefördert durch
Initiative Open Up – New Research Spaces for the Humanities and Cultural Studies
Laufzeit
September 2025 - Februar 2027
Flüchtlinge, die ihr Leben auf See riskieren, sind eine zentrale Herausforderung unserer Zeit. Dennoch befassen sich die Refugee Studies weiterhin hauptsächlich mit terrestrischen Fluchtbewegungen. Flüchtlingsboote – und was an Bord und auf See passiert – bedürfen aus mehreren Gründen einer eingehenderen Theoretisierung:
1) Seeflüchtlinge bleiben im Gegensatz zu denen, die sich auf dem Land- oder Luftweg bewegen, oft außerhalb der Gerichtsbarkeit eines Staates.
2) Seebewegungen stellen die Traditionen der Seenotrettung und das humanitäre Engagement der internationalen Gemeinschaft gegenüber Flüchtlingen auf die Probe.
3) Seeflüchtlinge sind viel massiver von der Abschreckungspolitik potenzieller Zielländer und der Durchsetzung ihrer Souveränität durch restriktivere Grenzkontrollen konfrontiert. Je länger Flüchtlinge auf See bleiben, desto unwahrscheinlicher ist ihr Überleben.
Gegen terrestrische und andere geopolitische Vorurteile in den Refugee Studies („Globaler Nordzentrismus“), die fortwährend zu einer unausgewogenen Theoriebildung in puncto Migration führen, wird dieses Projekt eine maritime Wende einleiten, um die Konzeptualisierung seegebundener Flüchtlingsbewegungen voranzutreiben. Durch die Einrichtung eines interdisziplinären und transnationalen Forschungslabs für maritime (Im)Mobilität und indem die beteiligten WissenschaftlerInnen maritime Routen und Räume zur Grundlage von Theorien über menschliche (Im-)Mobilitäten machen, wird neues Wissen über tatsächlich globale Migrationstrends produziert und darüber, wie Abschreckung, Landeverbote und Nichtrettungspolitik die Flüchtlingsüberfahrten länger und gefährlicher machen und Hilfelosigkeit oktroyieren.