• Deutsche Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

    Prof. Dr. Maximilian Benz

    © Universität Bielefeld

Prof. Dr. Maximilian Benz

Professur für Deutsche Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (Heisenberg-Professur)

Büro: UHG C6-210
Telefon: +49 (0)521 106-3714
E-Mail: maximilian.benz@uni-bielefeld.de

Sprechstunden finden digital via ZOOM oder telephonisch statt. Bitte schreiben Sie eine Email, um einen Termin zu vereinbaren.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

  • Anna Axtner-Borsutzky (Akademische Rätin a.Z., ab 1.4.)
  • Dr. Britta Plaggemeier (Lehrkraft für besondere Aufgaben)
  • Pia Werner (Wissenschaftliche Hilfskraft)
  • N.N. (Wissenschaftliche Hilfskraft)
  • Ruben Herrmann (Studentische Hilfskraft, ab 1.4.)
  • Sevcan Pekiner (Tutorin)
  • Gabriela Strob (Sekretariat)
    Büro: UHG C6-201 (derzeit nur eingeschränkt besetzt)
    Telefon: +49 (0)521 106-3701
    E-Mail: gabriela.strob@uni-bielefeld.de


Aktuelles

Aktueller Aufsatz

Volkssprachige Literatur und höfische Kultur um 1200. Pasticcio über eine hofklerikale Perspektive

in: DVjs 95 (2021), S. 1-21.

Für die mittelhochdeutschen Romane um 1200 läßt sich eine spezifische sozialgeschichtliche Einbettung annehmen, die Konsequenzen für ein Modell literarischer Kommunikation hat. Im Zusammenspiel von Verfassern, geistlichen Beratern – dem Hofklerus – und zunächst einmal adligen Damen entstehen die Texte, denen eine hofklerikale Perspektive auf Fragen feudaladliger Existenz eignet: Die ästhetisch komplexen volkssprachigen Texte lassen klare Problembezüge erkennen. Im Rahmen dieses Modells literarischer Kommunikation wird der Erec Hartmanns von Aue als Absage an Versuche ritterlicher Selbsterlösung gedeutet, denen der sich der göttlichen Gnade öffnende Wille des demütig Gläubigen gegenübergestellt wird. Der Tristan Gottfrieds von Straßburg scheint mit Blick auf die Protagonisten ein Negativexempel zu entwickeln, wobei durch suggestive Gestaltungsdynamiken das Abrücken der edelen herzen von Tristan und Isolde zunächst verhindert und dann umso stärker forciert wird.

Link zum Aufsatz (open access)

Vorträge

4.-5. März 2021
Kolloquium "Interkultureller Texttransfer und Übersetzung" des Arbeitskreises 'Text und Textlichkeit' (Fritz Thyssen Stiftung)
Vortrag "Die Wiederbringung des Texts. Kanon und Korrektur der Rettungsphantasmen des Jenseits (Antike – Mittelalter – Neuzeit)"

18.-20. März 2021
Tagung "Gesicht und Handschrift – Transzendente Begründung und Authentifikation in mittelalterlichen Visionen", Arbeitskreis für hagiographische Fragen (Hohenheim; Organisation: Julia Weitbrecht und Andreas Bihrer)
Vortrag "Vision und Devotion"

23.-24. März 2021
Workshop des Forum Theorie am SFB 1385 'Recht und Literatur': "Zum Verhältnis zwischen den Hermeneutiken des Rechts und der Literatur" (Univ. Münster; Organisation: Gideon Stiening)
Vortrag "Hermeneutik vs. Ästhetik? Mediävistische Anmerkungen zu Verstehensprozessen und Deutungen als literaturwissenschaftlicher Praxis"

21.-22. Mai 2021
Tagung "Die Kartause als Text-Raum mittelalterlicher Mystik-Rezeption" (Univ. Freiburg i. Br.; Organisation: Balázs J. Nemes) – Abschlußtagung des DFG-Projekts "Making Mysticism"
Vortrag "Aufstieg und Nachfolge. Zum Spannungsfeld mystischer und devoter Praktiken im Zusammenhang kartäusischer Spiritualität (Innsbruck, ULBT, Cod. 641)"

26.-31. Juli 2021
XIV. Kongreß der Internationalen Vereinigung für Germanistik: "Wege der Germanistik in transkulturellen Perspektiven" (Palermo)
Sektion B11: Legendarisches Erzählen im Mittelalter. Formen, Funktionen und Kontexte der deutschsprachigen Heiligenerzählung
Vortrag: Liturgie und Legende. Voraussetzungen und Konsequenzen des Erzählens

3.-6. August 2021
EABS-Konferenz Wuppertal
Sektion: Visionary Spaces. Narrating Spaces in Vision Reports (Organisation: Michaela Geiger u. Matías Martínez)
Vortrag: Vom Bewegungsraum zum Aggregatraum. Zur Imagination von Jenseitsräumen in der Paulus-Apokalypse und der Visio Pauli

8.-10. September 2021
Freiburger Kolloquium 2021: Paradigmen und Perspektiven einer Mediävistischen Komparatistik (Organisation: Cornelia Herberichs in Zusammenarbeit mit Hugo Bizzarri, Paolo Borsa, Elisabeth Dutton u. Marion Uhlig)
Vortrag: Der fremde Text. Zur kulturgenerierenden Leistung der Rezeption biblischer Texte als Grundlegung mittelalterlicher Kultur (gem. m. Andreas Kablitz)

13.-17. Oktober 2021
Tagung "Jansenismen und Literatur in Mitteleuropa" (Ungarische Akademie der Wissenschaften, Budapest; Organisation: Friedrich Vollhardt, Gábor Tüskés u. Christoph Schmitt-Maaß)
Vortrag: Augustins Rettung. Die Lehre von der doppelten Gnadenökonomie in Pécs

4. Mai 2022
Gastvortrag an der Universität Tübingen: "Die Schönheit der Praxis. Ästhetik und Lebenskunst an der Schwelle zur Neuzeit" (SFB 1391 "Andere Ästhetik"; Sprecherin: Annette Gerok-Reiter)

Workshop

[Termin folgt], Universität Bielefeld

Die Klanglichkeit des lyrischen Texts. Gattungstheorie und Deutung

Workshop mit Prof. Dr. Andreas Kablitz
(organisiert von Carlos Spoerhase und Maximilian Benz)

Auf dem Workshop soll eine noch nicht publizierte Monographie von Andreas Kablitz diskutiert werden, in der es um eine neue gattungstheoretische Fassung der Lyrik geht.
Lyrik habe, so die zentrale These, ihre Basis in einer Gestaltung von Sprache und nicht in der von Wirklichkeit, wie es bei dramatischer und epischer Dichtung der Fall sei. Die Gestaltung von Sprache erfolge vermittels der Begründung einer Ordnung ihrer Signifikanten. Für lyrische Texte sei dabei ein Spannungsverhältnis im Sinne einer pragmatischen Komplexität charakteristisch, das aus der Aufmerksamkeitskonkurrenz zwischen den gebildeten lautlichen Mustern und der Funktion sprachlicher Laute als Bedeutungsträger resultiere.
Neben der Diskussion dieser Gattungstheorie am ersten Tag sollen am zweiten Tag in ihrem Lichte lyrische Texte der lateinischen, deutschen und romanischen Literatur des Mittelalters und der Neuzeit diskutiert werden.


Curriculum Vitae

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2003-2009 Studium der Deutschen und Klassischen Philologie sowie der Erziehungswissenschaften, LMU München und HU Berlin

2009 Staatsexamen (Amt des Studienrats), Land Berlin

2009-2012 Lehrbeauftragter, Institute für Klassische Philologie und deutsche Literatur, HU Berlin

2012 Wiss. Mitarbeiter, Abteilung für lateinische und griechische Philologie, LMU München; Promotion, Phil. Fak. II, HU Berlin

2012-2020 Wiss. Oberassistent, Deutsches Seminar, Universität Zürich

2015 Gastdozent, Institut für deutsche und niederländische Philologie, FU Berlin

2018-2019 Professurvertreter, Germanistische Mediävistik, Universität Bielefeld

2019 Habilitation, Phil. Fak., Universität Zürich

2020 Aufnahme in das Heisenberg-Programm der DFG, Universität Bielefeld
Professur für Deutsche Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Universität Bielefeld


Publikationen (in Auswahl)

Neuerscheinung

Lateinischer Text von Robert Easting
Übersetzt und kommentiert von Maximilian Benz

Die Qualen des Fegefeuers gehören zu den bis heute bekanntesten Aspekten der christlichen Jenseitsvorstellung. Entstanden sind die eindrücklichen Straf- und Läuterungsphantasmen nicht in theologischen Traktaten, sondern in anschaulichen Erzählungen. Die Vision des Ritters Owein von einem Purgatorium, das der Heilige Patrick den Iren zur Läuterung und Besserung einrichtete, gehört zu den folgenreichsten Fegefeuer-Erzählungen: Sie wurde von der anglonormannischen Dichterin Marie de France nachgestaltet, ging in die Legenda aurea ein und beeinflusste wohl auch Hieronymus Bosch. In predigtähnlichen Passagen gelingt es dem Text aber auch, aktuelle Theologie wie Hugo von St. Victor und Anselm von Canterbury zu zitieren.

Zur Verlagshomepage

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Für ein vollständiges Publikationsverzeichnis bitte hier klicken.

Monographien

  • Gesicht und Schrift. Die Erzählung von Jenseitsreisen in Antike und Mittelalter, Berlin u. Boston 2013 (Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte 78 [312], X u. 307 S.) [Dissertation].
    Besprechungen: literaturkritik.de | Link | (Theresa Specht); ZfdA 143.3 (2014), S. 373-376 (Rudolf Suntrup); Arbitrium 33.1 (2015), S. 29-30 (Bernhard Jahn); Scientia Poetica 19 (2015), S. 345-349 (Bernhard Hollick); Das Mittelalter 21.1 (2016), S. 187-188 (Matthias Däumer); PBB 138.2 (2016), S. 281-287 (Andreas Hammer); Theologische Revue 114.6 (2018), Sp. 520 (Christoph Stenschke).
  • Fragmente einer Sprache der Liebe um 1200, Zürich 2018, 2. Aufl. 2019 (Mediävistische Perspektiven 6, 128 S.).
    Besprechung: PBB 142.3 (2020), S. 429-433 (Martin Baisch).
  • Arbeit an der Tradition. Studien zur literarhistorischen Stellung und zur poetischen Struktur der Werke Rudolfs von Ems, Habilitationsschrift, Univ. Zürich 2018 (269 S.).
  • Legendarisches Erzählen. Optionen und Modelle in Spätantike und Mittelalter, Berlin 2019 (281 S.; gem. m. Julia Weitbrecht, Andreas Hammer, Elke Koch, Nina Nowakowski, Stephanie Seidl u. Johannes Traulsen; Philologische Studien und Quellen 273).

Herausgaben

  • Literarische Räume der Herkunft. Fallstudien zu einer historischen Narratologie, hrsg. zus. m. Katrin Dennerlein, Berlin u. Boston 2016 (Narratologia 51), VI u. 406 S.
    Besprechungen: Das Mittelalter 23.1 (2018), S. 179-181 (Florian Kragl); literaturoutdoors.com (2017; Walter Pobaschnig).
  • Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 142.4 (2020) [als Gastherausgeber zus. m. Coralie Rippl u. Nina Nowakowski; Thema: ‹Idiosynkrasien zwischen Gott und Welt›]

Textausgabe

  • Das Fegfeuer des Hl. Patrick. Tractatus de Purgatorio S. Patricii, lat. Text von Robert Easting, übers. u. komm., Stuttgart 2020 (Mittellateinische Bibliothek), XXI u. 78 S.

Aufsätze in Zeitschriften und Jahrbüchern

  • Die Formierung des Jenseits als Bewegungsraum in Jenseitsreisen der Spätantike und des Mittelalters (Paulus-Apokalypse, Visio Pauli, Visio Tnugdali), in: Mittellateinisches Jahrbuch 46.2 (2011), S. 229-243 (zus. m. Julia Weitbrecht).
  • Faustus infaustissimus. Kontroverstheologisches aus der Hölle des Jesuitendramas, in: DVjs 87.3 (2013), S. 299-322.
  • Minnesang diesseits des Frauendienstes und der Kanzonenstrophe, in: PBB 136.4 (2014), S. 569-600.
  • Semiramis, in: ZfdPh 134.3 (2015), S. 347-368.
  • Über den 'Stil', in: DVjs 89.4 (2015), S. 666-674.
  • Otfrids Verkündigung, in: Seminar 52.2 (2016), S. 193-211.
  • 'Weltchronik'-Codices im Kontext. Umrisse eines Zürcher Skriptoriums und eine neue Quelle zur Rezeption, in: Kodex 9 (2019), S. 173-188.
  • Mittelhochdeutsche Erzählverfahren und theologisches Wissen. Bausteine einer historisch spezifischen Narratologie, in: Poetica 50 (2019), S. 53-82 (zus. m. Silvia Reuvekamp).
  • Volkssprachige Literatur und höfische Kultur um 1200. Pasticcio über eine hofklerikale Perspektive, in: DVjs 95.1 (2021), S. 1-21.

Lexikonartikel

  • Reiseliteratur, in: Reallexikon für Antike und Christentum. Sachwörterbuch zur Auseinandersetzung des Christentums mit der antiken Welt 28 (2017), Sp. 951-966.
  • Himmel, Hölle, in: Literarische Orte in deutschsprachigen Erzählungen des Mittelalters. Ein Handbuch, hrsg. v. Tilo Renz, Monika Hanauska u. Mathias Herweg, Berlin u. Boston 2018, S. 271-285.

Aufsätze in Sammelbänden

  • Kritik der Karte. Mapping als literaturwissenschaftliches Verfahren, in: Die Zukunft der Kartographie. Neue und nicht so neue epistemologische Krisen, hrsg. v. Marion Picker, Véronique Maleval u. Florent Gabaude, Bielefeld 2013 (Kultur- und Medientheorie), S. 199-218.
  • Aeneas und Henoch im Jenseits. Zu einer vermeintlichen jüdischen Quelle von Verg. Aen. VI, in: Jenseitsvorstellungen im Orient, hrsg. v. Predrag Bukovec u. Barbara Kolkmann-Klamt, Hamburg 2013 (Religionen im Vorderen Orient 1), S. 217-243.
  • Kartâgô in Heinrichs von Veldeke Eneasroman, in: Cityscaping. Konstruktionen und Modellierungen von Stadtbildern in Literatur, Film und bildendender Kunst, hrsg. v. Therese Fuhrer, Felix Mundt u. Jan Stenger, Berlin 2015, S. 155-178.
  • Die Geburt des Purgatoriums im Medium legendarischen Erzählens, in: Orte der Imagination - Räume des Affekts. Die mediale Formierung des Sakralen, hrsg. v. Elke Koch u. Heike Schlie, München 2016, S. 389-402.
  • Exzentrisches Erzählen und staufische Erbauung. Rudolfs von Ems 'Alexander' als heterogener Text zweiter Stufe, in: Texte 'dritter Stufe'. Deutschsprachige Antikenromane als Musterfälle romanisch-deutschen Literaturkontakts. Akten der Tagung Stuttgart, 25.-26.2.2015, hrsg. v. Stephanie Seidl u. Marie-Sophie Winter, Berlin u.a. 2016, S. 141-159.
  • Afterworld Spaces in Medieval Visionary Texts of Irish Provenance, in: A Fantastic and Abstruse Latinity? Hiberno-Continental Cultural and Literary Interactions in the Middle Ages, hrsg. v. Wolfram R. Keller u. Dagmar Schlüter, Münster 2017 (Studien und Texte zur Keltologie 12), S. 117-140.
  • Heteronomien und Eigensinn. Die Werke Rudolfs von Ems im Spannungsfeld von Politik, Religion und Kunst, in: Mäzenaten im Mittelalter aus europäischer Perspektive. Von historischen Akteuren zu literarischen Textkonzepten, hrsg. v. Bernd Bastert, Andreas Bihrer u. Timo Reuvekamp-Felber, Göttingen 2017 (Encomia Deutsch 4), S. 105-124.
  • Die Zeit des Ichs. Experimentelle Temporalität bei Oswald von Wolkenstein, in: Von sich selbst erzählen. Historische Dimensionen des Ich-Erzählens, hrsg. v. Sonja Glauch u. Katharina Philipowski, Heidelberg 2017 (Studien zur historischen Poetik 26), S. 99-129 (gem. m. Christian Kiening).
  • Elemente einer historischen Poetik des Staunens um 1200, in: Poetiken des Staunens, hrsg. v. Mireille Schnyder u. Nicola Gess, München 2019, S. 171-187.
  • München 1510: Ein Schauspiel vom Tode, in: Medialität. Historische Konstellationen, hrsg. v. Christian Kiening u. Martina Stercken, Zürich 2019 (Medienwandel - Medienwissen - Medienwechsel 42), S. 247-256.
  • Honicmaeziu maere. Zur Welthaltigkeit legendarischen Erzählens bei Rudolf von Ems und Reinbot von Durne, in: Die Versuchung der schönen Form. Spannungen in 'Erbauungs'-Konzepten des Mittelalters, hrsg. v. Susanne Köbele u. Claudio Notz, Würzburg 2019, S. 245-266 (Historische Semantik 30; gem. m. Julia Weitbrecht).
  • Chronotopoi des Sangs (Veldeke, Rugge und Morungen) - mit einer Neuedition von MF 106,24ff., in: Raum und Zeit im Minnesang. Ansätze - Spielarten - Funktionen, hrsg. v. Annette Gerok-Reiter, Anna Sara Lahr u. Simone Leidinger, Heidelberg 2020 (Studien zur historischen Poetik 29), S. 109-127.
  • Rudolfs Stil, in: Rudolf von Ems. Beiträge zu Autor, Werk und Überlieferung, hrsg. v. Elke Krotz, Norbert Kössinger, Henrike Manuwald und Stephan Müller, Stuttgart 2020 (ZfdA Beihefte 29), S. 49-62.
  • Mehrschichtige, komplexe Transformationsprozesse, in: Transformation. Ein Konzept zur Erforschung kulturellen Wandels, hrsg. v. Hartmut Böhme, Lutz Bergemann, Martin Dönike, Albert Schirrmeister, Georg Toepfer, Marco Walter u. Julia Weitbrecht, München 2011, S. 54-56.
  • Somatosemiose. Mediale Ensembles zwischen Körper und Sinn bei Otfrid von Weissenburg, in: Newsletter des NCCR Mediality 15 (2016), S. 3-9.

Kleinere Beiträge

  • Mehrschichtige, komplexe Transformationsprozesse, in: Transformation. Ein Konzept zur Erforschung kulturellen Wandels, hrsg. v. Hartmut Böhme, Lutz Bergemann, Martin Dönike, Albert Schirrmeister, Georg Toepfer, Marco Walter u. Julia Weitbrecht, München 2011, S. 54-56.
  • Somatosemiose. Mediale Ensembles zwischen Körper und Sinn bei Otfrid von Weissenburg, in: Newsletter des NCCR Mediality 15 (2016), S. 3-9.

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2021

Link zum eKVV mit den Veranstaltungen früherer Semester

 

Vorlesung

230107 Einführung in die Mediävistik (Mo 10-12)

23-GER-Portal 

Preziosen ungeahnter Schönheit sind auf uns gekommen und doch ist die Beschäftigung mit mittelhochdeutscher Literatur voraussetzungslos kaum möglich. Die Vorlesung gibt einen Überblick über lyrische, epische und dramatische Texte des Mittelalters und versucht zugleich in die literar-, geistes-, medien- und sozialgeschichtlichen Voraussetzungen ihrer Entstehung und Rezeption sowie ihres heutigen Verständnisses einzuführen. Im Zentrum jeder Sitzung stehen ein oder zwei Texte, die intensiv analysiert werden. Es gilt, Texte zu entdecken, deren Sinnhorizont aus Vorgaben resultiert, die außerhalb ihrer selbst liegen, die aber doch auch einen beträchtlichen Eigensinn entwickeln können; Texte, die als genuine Werke eines Verfassers nicht unbedingt mehr zu greifen, sondern von den Wegen der handschriftlichen Überlieferung mitgestaltet sind; Texte, die aus heutiger Perspektive 'fremd' wirken und doch immer noch ästhetisch faszinieren.

Literatur: Meinolf Schumacher: Einführung in die deutsche Literatur des Mittelalters, Darmstadt 2010 (bitte anschaffen).

 

Seminare und Kolloquium

230108 Verliebte Helden (Mo 14-16)

23-GER-PAdSL, 23-LIT-BM (Bachelor)

Liebe ist eines der großen Themen der Literatur – dies gilt auch für die volkssprachigen Romane des Mittelalters. Doch wie läßt sich von einem "großen Gefühl" erzählen? Welche Bedeutung erfährt die Liebe im Romanzusammenhang? Wir werden in Auszügen unterschiedliche Romane lesen, darunter auch die ganz berühmten wie etwa den "Tristan" Gottfrieds von Straßburg, aber auch unbekanntere, die für unser Thema aufschlußreich sind. Einbezogen wird auch die Frage der Männerfreundschaft und möglicher (verdeckter) amouröser Konnotationen. Ein besonderer Akzent liegt auf der Figurenzeichnung.

Literatur: Matthias Meyer, Versuch über die Schwierigkeiten des Artusromans, über die Liebe zu erzählen, in: Der Tod der Nachtigall, hg. v. Martin Baisch u.a., Göttingen 2009, S. 151-169.

230110 Mythisches Analogon. Die thematische Bindung von Formkategorien (Di 16-18)

23-DAF-M-DAFGER-GLit, 23-LIT-M-LitAM1 (Master)

Die Untersuchung formaler Aspekte gehört zu den literaturwissenschaftlichen Kernaufgaben. Doch inwiefern hat "Form" auch "Bedeutung"? Lassen sich Formeigenschaften von Texten semantisch füllen? Diese gerade für die Untersuchung des Stils – als einer holistischen Kategorie – wichtige Problematik verspricht auch Aufschluß für die Abgrenzung künstlerischer (künstlicher) Rede von Alltagskommunikation. Wir wollen im Seminar ausgehend von dem einschlägigen (und in der jüngsten Diskussion vielfach aufgegriffenen) Entwurf Clemens Lugowskis Romane des 16. Jahrhunderts interpretieren.

Literatur (Teildigitalisate werden im Lernraum zur Verfügung gestellt): Romane des 15. und 16. Jahrhunderts. Nach den Erstdrucken mit sämtlichen Holzschnitten, hg. v. Jan-Dirk Müller, Frankfurt a.M. 1990; Clemens Lugowski, Die Form der Individualität im Roman [1932]. Mit einer Einleitung von Heinz Schlaffer, 2. Aufl., Frankfurt a.M. 1994. Cordula Kropik, Gemachte Welten. Form und Sinn im höfischen Roman, Tübingen 2018. Hartmut Bleumer, Ereignis. Eine narratologische Spurensuche im historischen Feld der Literatur, Würzburg 2020.

230111 Forschungskolloquium: Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (m. Meinolf Schumacher u. Ulrich Seelbach) (Mi 14-16)

Im Forschungskolloquium lesen und besprechen wir aktuelle Publikationen zur germanistischen Mittelalter- und Frühneuzeitforschung und hören zudem Gastvorträge, die gezielt vorbereitet werden. Teil des Forschungskolloquiums ist ein Workshop zur "Klanglichkeit des lyrischen Texts" (Termin folgt). Es besteht die Möglichkeit, Abschlußarbeiten zur Diskussion zu stellen.


Forschung

Aktuelle Projekte

Heisenberg-Programm der DFG

Druckgeschichten. Volkssprachiges Erzählen und theologisches Wissen im 16. Jahrhundert

Die volkssprachigen Texte des 16. Jahrhunderts wurden lange Zeit für ästhetisch unbefriedigend gehalten. Zwar sind solche Wertungen seit längerem obsolet, die Literatur des 16. Jahrhunderts erfährt allerdings immer noch nicht die nötige Aufmerksamkeit – mit der Erforschung der Prosaromane als Ausnahme. Eine besondere Herausforderung ist das komplexe Ineinander von Aspekten des Medienwandels einerseits, der sich je für Gattungen unterschiedlich darstellt, der besonderen Bedingungen literarischer Produktion im Zeichen konfessioneller Auseinandersetzungen andererseits. Die Prozesse, die gerade auch unter der Nutzung neuer Publikationsformen zur Herausbildung einer Öffentlichkeit führen, sind insgesamt gut aufgearbeitet; dabei sind allerdings zunächst Gattungen mit offensichtlichem Bezug zu kontroverstheologischen Auseinandersetzungen wie das Flugblatt sowohl sprach- wie literaturwissenschaftlich untersucht worden. Mögliche Verbindungen gerade theologischer Wissensbestände mit genuinen Erzählweisen im Feld von Kurzerzählungen und Romanen sind bislang aber selten erwogen worden.

Prominente Arbeiten zur ‚Wissenspoetik‘ haben vielmehr an der Ökonomie angesetzt. Ohne Zweifel spielt der ökonomische Diskurs im 16. Jahrhundert eine große Rolle, allerdings scheint seine Privilegierung gegenüber theologischen Fragen selbst dort, wo sich beides wie etwa in der wichtigen Frage der Haushaltung verbindet, Ergebnis eines diskursarchäologischen Interesses zu sein und bleibt gegenwartsbezogen. Demgegenüber ist zu konstatieren, dass gerade die konfessionelle Spaltung zu einer weitestgehenden ‚Durchformung‘ der laikalen Kultur durch theologische Wissensbestände führt. In heuristischer Perspektive erscheint es deshalb sinnvoll, tentativ zur Erforschung der Literatur des 16. Jahrhunderts theologisches Wissen als relevanten Kontext anzulegen.

Dafür bietet die dichte Quellensituation des 16. Jahrhunderts eine vorzügliche Ausgangslage, die für die Erschließung der Texte nicht konsequent genutzt wird. In meinem Projekt soll, bezogen auf konkrete Einzelfälle, aber mit einer einheitlichen methodischen Stoßrichtung, das Problem der Relationierung von Text und Kontext in Verbindung gebracht werden mit der Frage nach Genese und Transformation von Erzählweisen. Dass dabei (kontrovers‑)theologisches Wissen besonders wichtig ist, liegt vor allem auch daran, dass theologische Wissensbestände in besonderem Maße nicht nur durch ihren propositionalen Gehalt ausgezeichnet sind: Im Bereich der Religion ist der Wissensgehalt – wie etwa die Möglichkeiten des Bibliolekts zeigen – häufig mit einer spezifischen Ausdrucksform verbunden, wobei allerdings die innerhalb kontroverstheologischer Diskussionen erhöhte Aufmerksamkeit zu besonderen Effekten führt. Im Rahmen kontroverstheologischer Auseinandersetzungen kann man etwa an die Karikierbarkeit spätscholastischer Diktion denken, darüber hinaus lassen sich aber ganz grundsätzlich im Sprachgebrauch konfessionelle Marker erkennen. Als konkreter, heuristisch wertvoller Ansatzpunkt der Rekonstruktion eines historisch adäquaten Text-Kontext-Verhältnisses bietet sich das Programm der Offizinen an – die Forschung hat hier etwa für die Historia von D. Johann Fausten bereits angesetzt, dabei zunächst allerdings nur das konfessionelle Profil des Druckers (und möglichen Kompilators) Spieß herausgearbeitet; zur konfessionellen Bindung von Offizinen liegen zahlreiche Arbeiten mit regionalem Schwerpunkt vor, aber auch in literaturgeschichtlicher Hinsicht ist das Programm von Offizinen aufschlussreich. Das theologische Profil, das sich aus den Druckprogrammen ergibt, wurde bislang aber kaum in Verbindung gebracht mit konkreten Erzählweisen.

Demgegenüber soll gerade die Erforschung möglicher Interferenzen zwischen Form-, Medien- und Wissensgeschichte dazu beitragen, die besondere Erzählweise der erzählenden Literatur des 16. Jahrhunderts, gerade auch der Prosaromane, diesseits der von Clemens Lugowski entwickelten Kategorien zu beschreiben. Seine Arbeit über die Form der Individualität im Roman ist nach ihrem Erscheinen 1932 und insbesondere nach dem Krieg kaum gewürdigt worden, hat aber in den vergangenen Jahrzehnten eine erhöhte Aufmerksamkeit erfahren. Zu Recht wurde bei aller Problematik ihre heuristische Kraft zur Beschreibung neuer Erzähltypen betont, sodass die Kategorien Lugowskis – besonders etwa die ‚Motivation von hinten‘, das ‚Gehabtsein der Figuren‘ oder die ‚thematische Überfremdung‘ – die Analyse der Literatur des 16. Jahrhunderts prägen. Es handelt sich allerdings um sehr allgemeine Kategorien, die für den Umgang mit vorgoethezeitlicher Literatur als brauchbar erwiesen, jedoch liegt die besondere Attraktivität in der thematischen Bindung von Formkategorien. Hier lassen sich mit Blick auf Figurendarstellung und Ereignisverknüpfung gerade unter Rekurs auf theologisches Wissen fallbezogen spezifischere Verknüpfungen anstellen.

Eine in diesem Sinne integrative Perspektive ist auf die vielfältige Literatur des 16. Jahrhunderts auszuweiten. So bietet es sich beispielsweise an, die Straßburger Offizin Jakob Cammerlanders und die in ihr erschienenen Werke eingehend zu betrachten. Unter dem Pseudonym Jakob (Johannes, Martin) Vielfeld (Polychorius, Multager, Multicampianus) trug er maßgeblich zum an sich populär ausgerichteten Programm seiner Offizin bei, indem er nicht nur kompilierte (u. a. eine Ketzerchronik oder eine Fazetien-Anthologie), sondern ältere Werke (z. B. den dt. Lucidarius, die dt. Ausgabe von Boccaccios Decamerone, den Fortunatus oder den Ritter vom Thurn) auch bearbeitete und dabei häufig im Sinne des Protestantismus eingriff. Über die oft noch maßgebliche Quellenforschung des 19. Jahrhunderts hinaus wurden einzelne Werke im Zusammenhang thematischer Fragestellungen untersucht, eine weitergehend integrative Perspektive aber nicht angewandt, die über allgemeine Feststellungen hinausginge. Es lassen sich aber nicht nur die jeweiligen von Vielfeld kompilierten oder bearbeiteten Werke in einen Zusammenhang stellen, sondern es kann sich auch lohnen, die weitere, in der Offizin erschienene Literatur in die Betrachtung einzubeziehen. Gerade die Engführung von Kontextmodellierung und Darstellungsverfahren steuert dabei einer für die Frühneuzeitforschung konstatierten (und inkriminierten) Tendenz zum ‚Neopositivismus‘ gegen.

 

Beteiligungen

2018-2020 ​SNF Projekt "Hybride Zeiten" (Univ. Zürich, Leitung: Christian Kiening)

seit 2018 Mitglied, Kuratorium, Zentrum für historische Mediologie (Univ. Zürich)

seit 2021 assoziiertes Mitglied des SFB 1288 "Praktiken des Vergleichens" (Universität Bielefeld) und Mitarbeit im Projekt "Kollaborative Literaturgeschichte digital und interaktive" (OERContent.nrw)

Frühere Beteiligung an Forschungsprojekten

2009-2012 Stipendiat, EXC "Topoi" (HU und FU Berlin) und SFB "Transformationen der Antike" (HU Berlin, Leitung: Hartmut Böhme)

2013 Mitarbeiter, NCCR "Mediality" (Univ. Zürich, Leitung: Christian Kiening)

2014, 2016/2017 Koordinator, SNF Sinergia "Poetik und Ästhetik des Staunens" (Univ. Zürich, Leitung: Mireille Schnyder)

2015-2019 Mitglied, DFG-Netzwerk "Legendarisches Erzählen. Formen, Funktionen und Kontexte der deutschsprachigen Heiligenerzählung" (mit Julia Weitbrecht, Elke Koch, Andreas Hammer, Nina Nowakowski, Stephanie Seidl und Johannes Traulsen)

2018-2019 Mitglied, Einstein-Zirkel "Asynchronien" (FU Berlin, Leitung: Jutta Eming)